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schaften, Heft 1/2009:

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EUPHORION
Zeitschrift für Literaturgeschichte Heft 2/2009

Killy Literaturlexikon
Autoren und Werke des deutschsprachigen Kulturraums
Begr. v. Killy, Walther
Hrsg. v. Kühlmann, Wilhelm
In Gemeinschaft mit Aurnhammer, Achim / Egyptien, Jürgen / Kellermann, Karina / Martus, Steffen / Sdzuj, Reimund B.
12 Bde. und 1 Registerbd.

Für die Besprechung auf LitKult.de lagen die Bände 1-3 vor


Wegweiser durch das Schatzhaus der deutschen Literatur


Dass eine zweite und überarbeitete Auflage des „Killy Literaturlexikons“ weitreichende Aufmerksamkeit hervorrufen würde, galt seit der ersten Ankündigung dieses lexikografischen Mammutprojekts als sicher. Zwar sind Neuauflagen und Überarbeitungen in der geisteswissenschaftlichen Publikationslandschaft keine Seltenheit. Wenn jedoch eines der zentralen Nachschlagewerke der Literaturwissenschaft zur Disposition steht, dann geht es nicht nur um eine wissensorganisatorische Unternehmung von enormer Größenordnung, sondern auch um ein wichtiges Element der Identität eines Faches, das gerade in den letzten Jahren – und momentan vielleicht massiver als je zuvor – in Wandlungen begriffen ist, die verstärkt an den tiefsten Gründen der Disziplin – den literarischen Texten selbst – rühren.


Die Herausforderungen, der sich die Herausgeber um den bereits an der ersten Auflage beteiligten Wilhelm Kühlmann stellten, waren somit nicht eben gering. So galt es doch nicht weniger zu leisten, als in Zeiten der hypermedialen Pluralisierung der ohnehin gewaltigen Informationsfluten an die Verlässlichkeit und Geltung eines gedruckten Lexikons anzuknüpfen, dessen erster Band vor mehr als zwanzig Jahren erschien und auf dessen kanonisierende Macht sich die Literaturwissenschaft gern eingelassen und auch verlassen hat. Zwischenzeitlich erschien die erste Auflage auch in elektronischer Form. Die Entscheidung, den ‚Killy’ in einer zweiten gedruckten Auflage zu veröffentlichen, ist deshalb nicht nur – man kann es nicht nachdrücklich genug sagen – ein intellektuelles, sondern auch ein wirtschaftliches Wagnis. Nur wenige deutsche Verlage haben den Mut bzw. die Möglichkeiten, sich an der Realisierung solcher Großprojekte zu beteiligen. Der de Gruyter Verlag Berlin ist in Sachen hochwertiger Nachschlagewerke seit langem eine der besten Adressen in Deutschland. Dass nach dem „Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft“ nun auch der ‚Killy’ dort erscheint, ist ein Glücksfall.


Eine Neubearbeitung des Killy Literaturlexikons bedeutet nun jedoch, die Forschungen und Kanonrevisionen, Gegenstandserweiterungen, Neuentdeckungen und Verwerfungen der Literaturwissenschaft nicht nur zu verfolgen und zu erschließen, sondern auch auf den Artikelbestand der ersten Auflage zu beziehen. Beobachten kann man somit am Beispiel des Lexikons die Arbeit am Gedächtnis einer wissenschaftlichen Disziplin, deren Geltung sich gerade in Fragen der Erzeugung von Kanonisierungseffekten nicht in Selbstreferenzen erschöpft, sondern zentralen Einfluss auf das kulturelle Gedächtnis einer Gesellschaft ausübt.


Das Ergebnis dieser Prozeduren der Korrektur, Anpassung und Erweiterung, aber auch der Ausschließung und Ersetzung kann nunmehr in den ersten Teilbänden begutachtet werden. Alle Beiträge wurden für die Neuauflage durchgesehen, überarbeitet und bibliographisch auf den neuesten Stand der Forschung gebracht. An der konzeptionellen Anlage der ersten Auflage wollen die Herausgeber unbedingt festhalten: Es gilt, „die Informationsbedürfnisse eines breiten Publikums umfassend und zuverlässig“ zu befriedigen und „eine klaffende Lücke zwischen wertvollen und notwendigen, aber hoch spezialisierten und bibliografisch überbordenden Nachschlagewerken, wichtigen regionalen Lexika und allgemeinen Enzyklopädien mit ihren Kurzartikeln zu schließen...“ (S. VII). Im Mittelpunkt des Lexikons soll dabei „das Ganze der Literatur des deutschen Sprachraums stehen, einer Literatur, die in älteren Jahrhunderten nicht nur eine deutschsprachige, sondern quer durch das Œuvre vieler Autoren auch eine lateinische war“ (S. VII).


Durchschnittlich 70 Beiträge zu Autorinnen und Autoren, die in der ersten Auflage nicht enthalten waren, kommen im neuen ‚Killy’ pro Band hinzu. Ein großer Teil dieser Neueinträge entfällt dabei auf die Literatur des 20. Jahrhunderts und der Gegenwart. Durch das Aussparen der Abbildungsstrecken wurde Platz für neue Einträge geschaffen. Zusätzlich mussten die Herausgeber jedoch auch Artikel der ersten Auflage aussortieren, um der umfänglichen Aktualisierung des Lexikons entsprechenden Raum geben zu können. Hierbei handelt es sich um „Artikel über mittlerweile ephemere Verfasser, auch Artikel über die bislang ganz unsystematisch aufgenommenen Germanisten des 20. Jahrhunderts ..., es sei denn, dass ihr Werk besondere literarische Ambitionen verrät und auf Literaten oder ein breiteres Publikum eingewirkt hat“ (S. X). Aber auch Einträge zu „großen Namen der neueren deutschsprachigen Kultur- und Wissenschaftsgeschichte wurden herausgenommen, insoweit ihre Beiträge zum öffentlichen literarischen Leben ihrer Zeit als marginal anzusehen sind.“ (S. X). Es bleibt sicherlich dem abwägenden Blick auf die Eingriffe in sämtlichen Bänden vorbehalten, die Verluste bzw. Gewinne der Tilgungen und Ersetzungen zu beurteilen. Die beherzte Orientierung auf die Gegenwart hin ist in jedem Fall zu begrüßen, wobei die Überarbeitung gleichfalls neue Artikel zu allen Literaturepochen erbrachte. Dass die verdienstvollen Begriffsbände der ersten Auflage ebenfalls der Kürzung zum Opfer fielen, darf man jedoch durchaus bedauern.


Dass die in der Darstellung ausgewogene Vermittlung von Autorinnen und Autoren unterschiedlicher Epochen unter Berücksichtigung der oftmals heterogenen gesellschaftlichen, konfessionellen, politischen und kulturellen Rahmungen eines der großen Verdienste des neuen ‚Killy’ ist, zeigt schon eine Durchsicht der ersten Bände (das Erscheinen des letzten der dreizehn Bände ist für September 2011 angekündigt). Die einzelnen Artikel zeichnen sich durch eine angenehme Lesbarkeit aus. Besonders hier wird die im Vorwort angesprochene breite Adressierung des Lexikons deutlich. Die innere Ökonomie eines jeden Artikels ist genau austariert, um eine ideale Synthese von biographischen Informationen, Werkbetrachtungen und kulturgeschichtlicher Situierung zu erzielen. Die bibliographischen Anhänge halten der punktuellen Nachprüfung ausnahmslos stand und ermöglichen eine weiterführende Beschäftigung mit einzelnen Autorinnen bzw. Autoren und Texten.


Das Killy Literaturlexikon – so viel lässt sich nach der Veröffentlichung der ersten Bände bereits sagen – bleibt auch in der überarbeiteten Neuauflage, was es über viele Jahre hin war: Eines der zentralen Nachschlagewerke der Literaturwissenschaft. Dass es darüber hinaus auch jenseits des akademischen Feldes eine breite Leserschaft findet wird, ist sicher. Damit haben die Herausgeber und Beiträger des Lexikons nicht nur Generationen von Studierenden und Literaturwissenschaftlern einen wertvollen Dienst erwiesen, sondern zugleich eindrucksvoll demonstriert, was Walter Killy in der Einleitung zur ersten Auflage des Lexikons schon festhielt: „Ein Schatzhaus ohnegleichen ist die deutsche Literatur...“. Die weiteren Bände des ‚Killy’ dürfen also mit Spannung erwartet werden.


J.S.